Ratgeber

Weniger Verletzte, Mehr Blechschäden – Auf der Straße knallt es immer öfter

Es knallt oft auf deutschen Straßen öfter als uns lieb sein kann. Aber weißt du eigentlich ob es in deiner Region besonder häufig zu Unfällen kommt oder ob es sogar Tageszeiten gibt an denen es wahrscheinlicher ist in einen Unfall verwickelt zu werden? Der Generali Karambolage Atlas 2018 gibt Auskunft über genau solche statistisch erfassten Daten. Der Atlas wird jährlich veröffentlicht und enthält Informationen zu den Unfällen auf Deutschlands Straßen. Neben der gesamten Anzahl der Unfälle in den letzten Jahren gibt der Atlas auch Aufschluss darüber, wo besonders viele Unfälle passiert sind und welche Automarken in besonders viele Unfälle verwickelt werden.

Generali verwendet für die Erstellung des Atlas Daten des statistischen Bundesamtes. Die Jahre 2015 und 2017 wurden dabei ausführlich ausgewertet und miteinander verglichen.

Mehr Verkehr auf Deutschlands Straßen

Die Deutschen sind noch immer autoverrückt. Obwohl die letzten Jahre das Image der Automobilhersteller stark beschädigt haben, steigt die Anzahl der Pkws auf Deutschlands Straßen. Weitere Faktoren wie das Feinstaubfahrverbot in mehreren Innenstädten oder die hohen Spritpreise konnten die steigende Anzahl von Autos ebenfalls nicht aufhalten.

2015 waren noch 44,4 Millionen Autos auf Deutschlands Straßen zu finden. Bis 2017 stieg diese Zahl auf 45,8 Millionen an. Die neuesten Zahlen aus 2019 fallen allerdings noch einmal deutlich höher aus. Knapp 47,1 Millionen Pkws sollen in diesem Jahr auf den Straßen Deutschlands unterwegs sein. Geht man davon aus, dass insgesamt nur knapp 60 Millionen Menschen in Deutschland einen gültigen Führerschein besitzen, wird die Zahl noch einmal beeindruckender.

Über drei Viertel der Menschen mit gültiger Fahrerlaubnis haben auch ein eigenes Auto. Der Zukunftstrend, kein eigenes Auto mehr zu kaufen und mehr auf Fahrgemeinschaften zu setzen, ist in Deutschland also noch nicht angekommen. Das Auto bleibt weiterhin das Symbol für Personen- und Bewegungsfreiheit.

Die Unfälle

Insgesamt gab es in Deutschland 2017 2,643 Millionen Unfälle, die von der Polizei erfasst wurden. Diese Zahl ist Allzeitrekord, 2015 lag sie noch bei 2,516 Millionen. Doch obwohl die Anzahl der gesamten Unfälle steigt, nimmt die Schwere der Unfälle wohl ab. Bei allen 2017 passierten Unfällen wurden in nur 3,9 Prozent der Fälle auch Personen verletzt. Das ist der niedrigste Prozentwert aller Zeiten.

Die Sicherheitstechnik, die in den letzten Jahren eines der Hauptaugenmerke der Autoindustrie war, machte deutliche Fortschritte. Intelligente Bremssysteme und Bewegungskameras konnten den Autofahrern dabei helfen, schwere Unfälle zu vermeiden.

Doch während die verringerte Anzahl an verletzten Personen in Unfällen Grund zur Freude ist, sehen Experten weiterhin Verbesserungsbedarf bei den Warnsystemen in den Autos. Denn obwohl durch diese neuen Sicherheitssysteme die Anzahl der verletzten Personen reduziert werden konnte, stieg die gesamte Anzahl von Unfällen ja an. Ein Grund dafür ist sicherlich die steigende Anzahl an Pkws auf den Straßen. Sind mehr Autos unterwegs, sind mehr Unfälle wahrscheinlicher. Außerdem kann es bei vollen Straßen schneller zu Unfällen kommen, was die Zahl ebenfalls erhöhen könnte.

Menschen, die in Unfälle mit Personenschaden verwickelt waren, durften deutlich mehr blechen als Leute, die nur in Unfälle mit Sachschaden verwickelt waren. Obwohl nur 3,9 Prozent der Unfälle einen Personenschaden zur Folge hatten, wurden rund ein Drittel der Gesamtkosten aller Unfälle für diese Situationen aufgewendet. 300 Milliarden Euro teuer waren diese Unfälle. Die Zahlen aus 2017 zeigen also, dass Unfälle mit Personenschaden deutlich teurer ausfallen als Unfälle mit Sachschaden. Die Versorgung der verletzten Personen ist dabei der Hauptfaktor für die höheren Kosten.

Insgesamt bestand 2017 eine Chance von rund 11%, dass ein Autofahrer in diesem Jahr in einen Unfall verwickelt war. Das ergaben die Zahlen das Kraftfahrt Bundesamtes. Jeder Neunte, der vom Amt befragt wurde, gab an, in diesem Jahr in einen Unfall verwickelt gewesen zu sein. Diese Autofahrer mussten durchschnittlich 2.300 Euro pro Unfall bezahlen.

Das Raserklischee bestätigt

Wer kennt es nicht: das alte Klischee, Fahrer von Mercedes und vor allem BMW verhalten sich gegenüber anderen im Straßenverkehr rücksichtslos und bringen sich selbst und andere schnell in Gefahr.

Laut dem Karambolage Atlas ist an diesem Klischee etwas dran. Es wurden die zehn Automarken untersucht, die auf Deutschlands Straßen unterwegs sind, und deren Verwicklungshäufigkeit in Unfälle. Mercedes-Benz und BMW konnten sich die ersten beiden Plätze in dem Ranking sichern, eine zweifelhafte Ehre.

Daten aus Haftpflichtversicherungen zeigten, dass 5,4 % aller Haftpflichtschäden im Straßenverkehr von Fahrern von Mercedes-Modellen verursacht wurden. BMW-Fahrer waren mit 5,2 % der Schäden knapp dahinter.

Von den zehn häufigsten Automarken Deutschlands waren Fiat- und Skoda-Fahrer am sichersten unterwegs. Der Unterschied hat sicherlich mit der höheren Leistung vieler Mercedes- und BMW-Modelle zu tun, die höhere Geschwindigkeiten schneller erreichen als Autos der Marken Fiat oder Skoda.

Das wird auch vom Generali Karambolage Atlas bestätigt. Insgesamt steigt die durchschnittliche Stärke der Autos auf Deutschlands Straßen immer weiter. Mehr als 150 PS bringt das durchschnittliche Auto auf die Straße.

Pkws, die eine Leistung von weniger als 75 PS aufweisen haben nur eine Schadenswahrscheinlichkeit von sechs Prozent, während Wagen, die eine Leistung zwischen 250 und 300 PS auf die Straße bringen, mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 20 % in einen Unfall verwickelt sind.

Einen großen Unterschied bei der Unfallwahrscheinlichkeit in Sachen Geschlechter gibt es übrigens nicht. Die Schadenshäufigkeit von weiblichen Fahrern liegt bei 12,5 %, die von männlichen Fahrern bei 11,4 %. Altersbedingte Unterschiede gehen aus dem Atlas nicht hervor.

Die gefährlichsten Regionen

Im Atlas wird deutlich, dass eine hohe Bevölkerungsanzahl stark mit der Unfallwahrscheinlichkeit zusammenhängt. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sind die drei Bundesländer, in denen die Unfallwahrscheinlichkeit am höchsten ist. Bei 15,5 % liegt die Unfallwahrscheinlichkeit in Berlin, der Bundesdurchschnitt beträgt 11,7%. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind dagegen besonders sicher.

Tage und Jahreszeiten

Im Sommer passieren in Deutschland mehr Unfälle als im Winter. Gründe könnten Motorradfahrer sein, die im Winter ihre Maschinen stehen lassen. Eine höhere Sensibilisierung im Winter könnte ebenfalls der Grund sein.

Am Donnerstag und Freitag passieren in der Woche dagegen die meisten Unfälle, 16,7 % und 16,6 % ist das jeweilige Schadensrisiko. Der Sonntag ist der sicherste Tag, 8,3% beträgt die Schadenswahrscheinlichkeit an diesem Tag.

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