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Daimler und seine Aktionäre

Der schönste Schnurrbart Deutschlands gab heute sein Gastspiel in Berlin. Dieter „D“ Zetsche und sein Verein Daimler Benz liefen heute im ICC Berlin ein, um frohen Mutes die eigenen Zahlen für das Geschäftsjahr 2011 den Aktionären zu präsentieren.

Das Wetter passte nicht zur Laune der Aktionäre

Es ist früh. Sehr früh und das Wetter ist besch… Lausig kalt weht einem der Nieselregen entgegen. Von der S-Bahnstation Messe Nord ist es nicht weit bis zum Eingang des ICC und schon von Weitem kann man das große weiße Daimler-Schild sehen, welches am Rundbau der Messe angebracht wurde, und was jedem Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger entgegen schreit: „Hier passiert heute was ganz Wichtiges und es hat mit Daimler zu tun.“

Vor mir wuseln sehr viele Menschen mit grauem und schneeweißem Haar vorbei und sie wirken alle sehr aufgeregt. Ihnen scheint das miese Wetter nichts auszumachen und sie quietschen fast vor Vorfreude beim Gedanken auf gratis Häppchen und vieler bunter Broschüren.
Ich selbst eile nur zum Eingang um vorerst dem schlechten Wetter zu entgehen. Kaum am Eingang der heiligen Hallen angekommen, macht mich ein Sicherheitsmann darauf aufmerksam, dass ich doch bitte nicht den Eingangsbereich blockieren solle . Naja, gegen eine herzliche Berliner Begrüßung kann man einfach nichts sagen.

Wetter Pfui, Drinnen hui

„Haben Sie Ihre Einladung dabei?“, werde ich von der netten Dame gefragt und ich zeige ihr stolz meine. Ich bin schon im Bann der Inszenierung gefangen. Schöne Aufsteller, hübsche Autos und gut gekleidetes Personal. Klasse, da ist einem das Wetter draußen ziemlich wurscht.
Und schon geht’s schnell ab in den großen Saal. Wir wollen uns eine guten Platz mit bester Aussicht auf die Bühne sichern. Natürlich sind schon hunderte Menschen im Saal, die ihre Aktien wahrscheinlich bei der Erstausgabe erstanden und seit dem nie wieder abgegeben haben. Die besten Plätze sind von grauhaarigen Groupies besetzt. Ich wundere mich, dass sie keine Transparante oder Fahnen dabei haben. Einmal Mercedes, immer Mercedes. Das nenne ich Markentreue.

Der Star des Vormittages

Der Platz ist gesichert. Jetzt noch schnell mit etwas Gebäck und einem Kaffee bewaffnen und schon kann die Sause losgehen. Gut, Essen ist im Saal nicht gestatten, vom Trinken ganz zu schweigen, aber es ist ja noch reichlich Zeit. So nutze ich die Zeit zu einem informativen Plausch mit einem Urgestein von Aktionär. Die Zeit vergeht wie im Flug als wir über die goldenen Zeiten von Daimler philosophieren und da ertönt schon der Gong. Es geht endlich los. Gleich werde ich den Kapitän des Flaggschiffes Daimler sehen. Ich bin schon ganz aufgeregt. Was er wohl sagen wird?

Irgendjemand erzählt irgendwas. Weißes Rauschen nennt das wohl der Fachmann. es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis der Chef des Vorstandes das Wort ergreifen darf. Der Dieter spricht von klaren Zielen und neuen Rekorden. Überall wurde mehr verkauft und eigentlich müssen sich alle freuen. Krise? Welche Krise? Daimler ist voll auf dem Laufenden und ist superinnovativ und macht auch alles schön auf Nachhaltigkeit. Die Prognosen sehen rosig aus. Dieter und sein Schnurrbart zaubern eine rosa Wolke in den großen Saal des ICC und alle schmachten dahin und freuen sich. Dividende gibt’s ja auch noch. Jetzt ist es so weit und die ersten Transparente werden ausgerollt. Leider passiert das weit vor mir und so kann ich nur ahnen, was darauf steht. „Dieter für Deutschland“ oder „Ich will ein Kind von Dir, Dieter“. Irgendetwas in dieser Art muss es wohl gewesen sein.

Die Realität sieht nicht ganz so rosig aus

In dieser Wolke der Glückseligkeit zieht ein dunkler Schatten auf und manifestiert sich in Form eines Abgesandten irgendeines großen Aktienfonds. Er darf seine Fragen als Erster an den Vorstand richten. Hiermit ist die Fragerunde eingeläutet.
Er fragt, warum denn die anderen deutschen Autobauer mehr Autos verkauft haben. Was fällt ihm ein, dieses wunderbare Werk der Selbstbeweihräucherung zerstören zu wollen!? Und der nächste Herr im C&A Anzug fragt warum Daimler den Wechsel auf Baukastenfertigung und Elektromobilität verschlafen habe. „Das Beste oder Nichts“, aber das Beste sind momentan die Anderen. Viele weitere Fragen folgen und haben im Grunde alle denselben Kern. Warum sind die Anderen besser als wir und was hat die Führungsetage bei Daimler falsch gemacht. Es folgen die Rechtfertigungen des Vorstandes bis alle Fragen beantwortet sind. Von der pompösen Glitzerwelt bleibt am Ende nicht viel.
Daimler hat eine Menge Autos, Lastwagen und Busse verkauft. Innovativ und Erfolgreich sind aber 2011 eindeutig die anderen deutschen Automobilhersteller gewesen.

Ich verlasse irgendwann um die Mittagszeit den Saal und muss feststellen, dass das hier alles ein bisschen wie Theater ist. Große Inszenierungen und letztendlich kommt ein Spielverderber und sagt „Das Stück letzte Woche war aber viel besser!“ . Und so platzt die Seifenblase. Erschrocken stelle ich fest, dass ich eigentlich gar kein Theater mag.

Und wer sich die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres von Daimler Benz ansehen will, der klicke bitte hier.

 

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