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Das große DTM Finale 2013 am Hockenheimring Teil 1

Der Wetterbericht meldet für die kommenden Tage herrliches Frühlingswetter. Es ist 5 Uhr 30 und ich überlege, was ich noch einpacken muss und was ich wohl vergessen habe. Zu dieser Uhrzeit finden sich erstaunlich viele Lücken in meinen Synapsen. Ein Kaffee wird es schon richten. In einer halben Stunde soll es endlich los gehen. Ich bin sehr gespannt auf das Wochenende in Hockenheim. Die DTM kommt zum Saisonfinale ins beschauliche Baden-Württemberg. Ich werde es mir anschauen. Das heißt, wenn ich es schaffe nicht im Stehen vor der Kaffeemaschine einzuschlafen.

20 Minuten und zwei Kaffee später. Draußen zwischen den Häuserschluchten versucht sich die Nacht noch ein bisschen länger zu halten. Doch der Tag rückt unaufhaltsam heran. Der Wetterbericht scheint ausnahmsweise einmal Recht zu behalten. Meine Tasche ist gepackt, die Tickets sind verstaut. Wo ist der Autoschlüssel?

Alles im Auto verstaut und abfahrbereit freue ich mich wie ein kleiner Junge zu Weihnachten. Ich mag die DTM. Ich schaue sie mir gern im Fernsehen an. Nun darf, ich endlich auch einmal live dabei sein. Schade, dass die Meisterschaft schon in Zandvoort entschieden wurde. So ist in Hockenheim ein wenig die Spannung raus.

Jetzt noch schnell volltanken und den Reifendruck kontrollieren. Die Frau an der Tankstellenkasse sieht sehr müde aus. Sie hat in zehn Minuten Feierabend. Ich werde in zehn Minuten auf die Autobahn fahren und der aufgehenden Sonne gratulieren, dass sie es dann auch schon aus dem Bett geschafft hat.

Es ist Samstag. Eigentlich Zeit für ein zweites Frühstück. Schließlich bin ich schon seit dem Morgengrauen wach und unterwegs. Doch die Zeit drängt und die DTM wartet nicht. Ein kurzer Boxenstop muss reichen. Schnell aufgetankt und mit frischen Reifen -ja ja, schön wäre so ein professioneller Boxenstop, wie in der DTM-  geht es weiter. Ich fahre auf der A6 Richtung Sinsheim. Seit dem gestrigen Abend steht dort nicht mehr die Rhein-Neckar-Arena. Ein gewisser Herr Kießling hat das  Stadion von 1899 Hoffenheim am Freitagabend feierlich in die Phantom-Tor-Arena umgetauft. Die muss ich mir noch schnell ansehen, bevor ich auch schon in Hockenheim ankomme.

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Da hat wohl jemand etwas getrödelt. Die Fernsehübertragung läuft. Die Qualifikation beginnt in 20 Minuten und ich finde das Hotel nicht. Eine Umleitung und ein Sperrung für ein Stadtfest geben meiner Orientierung den Rest. Es wird knapp, verdammt knapp. Ich wollte pünktlich sein. Zumindest zu den wirklich wichtigen Terminen wollte ich rechtzeitig vor Ort sein. Ich hab mir ja schließlich schon den Freitag durch die Lappen gehen lassen. Als sich dann herausstellt, dass besagtes Stadtfest direkt vor meinem Hotel statt findet, bin ich ein wenig versöhnt. Der Abend scheint gesichert.

So komme ich auf die hervorragende Idee, die Ankunft in Hockenheim mit einem kalten Bier zu zelebrieren. Meine Begleitung hält dies ebenfalls für eine hervorragende Idee. So kommt es, dass ich mich in aller Eile um ein Taxi bemühe, welches mich und Begleitung ohne Umwege zur Rennstrecke befördern soll. Wer jetzt gut aufgepasst hat, hat bemerkt, dass ich pünktlich an der Rennstrecke sein wollte und nicht mehr all zu viel Zeit bis zum Start der Qualifikation ist. Sei es drum. Bei schönstem Wetter und einem kalten Bier nach einer langen Autofahrt darf man sich schon mal verspäten.

Der Taxifahrer schießt mit einer brandneuen Mercedes E-Klasse um die Kurve. Der Tag wird immer besser. In Berlin wär‘s wahrscheinlich unter gleichen Bedingungen ein uralter 190er Diesel gewesen. Ich beschließe bei diesem traumhaften Wetter, meine Jacke nicht mitzunehmen. Im Nachhinein war dies eine meiner weniger glorreichen Entscheidungen. Der Taxifahrer heißt Klaus und fängt sofort mit dem Gespräch an. Er fragt wo wir her kämen. Ich fragte wie lang wir brauchen würden. Er fragt warum wir so spät dran seien. Ich fragte wie nah wir an die Strecke fahren können. Ein munteres Hin-und-her ergab sich.  Dann sagt er im niedlichsten Dialekt, den ich je in der deutschen Sprache gehört haben: „Aber an der Conti-Brücke ist Schluss. Ab da müssen Sie laufen.“ Ich habe das zum besseren Verständnis mal sinngemäß gleich übersetzt. Der Hockenheimring ist groß. Wer dort noch nicht war: Er ist verdammt groß. Da kommt es sehr ungelegen, wenn man rechtzeitig zum Start der Qualifikation auf der Tribüne sitzen möchte um sich das Spektakel anzusehen und dann noch kilometerweit durch die Gegend laufen soll. Der vermeintliche zusätzliche Nachteil war, dass wir auf die Mercedes-Tribüne wollten. Diese liegt noch einige Meter weiter vom Eingang weg. Der Mann wollte uns also noch einen Gewaltmarsch bis zur Tribüne bestehen lassen. Ich frage ihn, ob er nicht einfach bis zur Tribüne fahren könne. Er sagt, dass wäre nur mit einem Parkschein für das Rennwochenende möglich. Ein Strahlen erhellte mein Gesicht. Von denen hatte ich reichlich. Ich greife in meine Tasche und suche den Parkschein für Samstag. Ich würde ihn ja sonst nicht brauchen. Schnell tragen wir sein Kennzeichen ein. Der unfreundliche Herr in Warnweste will uns schon weg winken. Wir aber sind knapp dran, haben einen Parkschein und nur noch ein halbes Bier. Wir möchten ihn zur Eile animieren, wissen aber nicht wie das in Landessprache klingen müsste. Darum diskutiert Klaus mit ihm.

In der Ferne hört man es summen. Es klingt wie ein aufgebrachter Bienenschwarm, der mal etwas näher und dann wieder weiter weg zu sein scheint. Die Vorfreude wächst. Die Mine des Polizisten, der uns nicht rein lassen will, hellt sich auf. Wir dürfen passieren. Doch an der nächsten Weggabelung ist Schluss mit der Freifahrt direkt zur Mercedes-Tribüne. Diesmal springt ein hauseigener Ordner vors Auto und verlangt die Eintrittskarten. Klaus hat keine. Verständlich, ist er doch nur der Taxifahrer. „ Ohne Karte geht es hier nicht weiter.“ Da helfen auch keine Verhandlungen. Wir zahlen Klaus eine fürstliche Entlohnung für seine Bemühungen. Er empfiehlt uns noch einen Imbiss mit der besten Bratwurst und dem kühlsten Bier.

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Jetzt nur noch die Unterführung durch und dann sind wir fast da. Da donnern die ersten DTM-Boliden vorbei. Es dröhnt und knallt. Die Augen werden größer, das Grinsen breiter. Sehen kann man sie hier noch nicht, aber dafür umso intensiver hören. Es rotzt und knallt nur so vor sich hin. Jetzt weiß ich, was Motorsportbegeisterung ist. Schnellen Schrittes eilen wir zur Tribüne. Imposant ragt sie vor uns im hellsten Sonnenschein auf. Ticketkontrolle, VIP-Bändchen, Programmheft und, richtig, ein kaltes Bier. Und fünf Minuten später stehen wir auf der Mercedes-Tribüne. Ganz oben und mit toller Aussicht auf das Geschehen ist die Tribüne gut besucht, aber noch lang nicht voll. Trotz Platzkarten suchen wir uns irgendein freies Plätzchen. Da donnern die Audi-, BMW- und Mercedes-Boliden vorbei. Die Tribüne bebt. Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr und ich bekomme Gänsehaut.

Die Qualifikation ist vorbei. Viel zu schnell ging die Zeit rum. Doch das Rahmenprogramm bietet noch so viel. Wir klettern von unserem Aussichtsposten herunter und lassen uns standesgemäß per Shuttle ins Fahrerlager kutschieren. Auf diese Idee kam auch sonst jeder, der bis drei zählen kann. Es ist hoffnungslos überfüllt. Hier scheint das immer so zu sein. Für mich absolutes Neuland. Die Profis erkennt man daran, dass sie nicht versuchen in alle Richtungen gleichzeitig zu schauen. Wir scheitern kläglich an diesem Versuch.

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Im zweiten Teil meiner Hockenheim-Reportage gibt es eine Menge schlechtes Wetter und noch viel mehr Fotos vom Rennen. Ein Formel-1-Star gibt sich die Ehre und am Ende steht die Erkenntnis, dass kaltes Bier auch bei kaltem Wetter schmeckt.

 

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